Beverunger Rat beschließt Nothaushalt 2011
Donnerstag, den 03. März 2011 um 18:12 Uhr


Parteien streiten im Stadtrat über den Nothaushalt
Beverungen (NW, 24.02.2011) Alles andere als zimperlich ging es gestern Abend im Rat der Stadt Beverungen zu. Die Verabschiedung der Haushaltssatzung für 2011 mit einem Defizit von rund fünf Millionen Euro und einem achtstelligen Schuldenberg bis 2014 sorgte bei den vier Ratsfraktionen für reichlich Gesprächsstoff, klare Worte und Schuldzuweisungen. Letztendlich wurde dem Haushalt mit den Stimmen der Mehrheitsfraktion CDU zugestimmt.

Die Fraktionen von SPD, FDP und Grünen stimmten der Haushaltssatzung nicht zu und vermissten mutige Vorschläge, um aus der Haushaltmisere herauszukommen Sie erkennen kein ernsthaftes Bemühen zum Sparen» sehen den Entwurf als perspektivlos an.
Der Gesamtergebnishaushalt 2011 hat ein Volumen von knapp 40 Millionen Euro und schließt mit einem Defizit von rund 5 Millionen Euro ab. Die Kassenkredite von derzeit 5 Millionen Euro werden bis zum Jahre 2014 auf knapp 21 Millionen Euro ansteigen. Angesichts dieser Zahlen fragte der CDU-Fraktionsvorsitzende Uwe Scherding: „Was brauchen wir und was müssen wir wirklich haben?"
„Ich glaube wir im Stadtrat Beverungen haben viele Hausaufgaben in Sachen Haushaltskonsolidierung bereits gemacht. Wir haben versucht, uns auf wesentliche Maßnahmen zu konzentrieren und in vielen Bereichen Einsparungen vorgenommen. Wir schränken unsere Bürger immer mehr ein und fordern höhere Gebühren. Nur frage ich allen Ernstes - was bringt das Ganze?" fügte Scherding an. Die CDU-Fraktion sieht durch die Änderungen des Gemeindefinanzierungsgesetzes (GFG) der Landesregierung ihre Maßnahmen für zwecklos, weil die Rahmenbedingungen negativ verändert werden und der Stadt Beverungen daher 590.000 Euro entgehen „Die Auswirkungen des GFG trifft, vornehmlich die ländliche Bevölkerung wirft die Beverunger CDU der Landesregierung falsche Ansätze in der Strukturpolitik vor.
Für die Beverunger SPD- Fraktion ergeben die Schuldzuweisungen keinen Sinn „Nur weil die Landesregierung gewechselt hat, ist auf einmal wieder das Land Nordrhein-Westfalen Schuld an unserem Desaster", reagierte Eckhard Schepke, Fraktionsvorsitzender der Sozialdemokraten, erbost. „De facto bekommen wir über 300.000 Euro höhere Landesmittel als letztes Jahr. Dagegen verabschiedet die Mehrheit einen Haushalt, dem jeglicher Ansatz zur Neuausrichtung fehlt", kritisierte Schepke, der sich von Kämmerer Willi Vössing und Bürgermeister Christian Haase mutigere Entscheidungen erhofft hatte und der CDU Klientelpolitik vorwarf.
Mutige Entscheidungen wünschte sich auch die FDP. „Wir brauchen ein paar verrückte Leute, die neue Wege gehen, die kreativ sind und nicht nur versuchen Besitzstände zu wahren"» erklärt der liberale Fraktionsvorsitzende Dr. Thomas Hake.
„Stattdessen analysieren wir die bestehenden Ausüben und versuchen mit einem hohen Maß an Halbherzigkeit dem bösen Schicksal zu entrinnen. In Beverungen wird immer nur reagiert, das Agieren überlassen wir leider anderen", kritisiert der Liberale.
In dieselbe Kerbe schlug Gisbert Bläsing, langjähriger Fraktionssprecher der Grünen „Zukunftsweisende und notwendige» nachhaltige Entscheidungen wurden oft aus ideologischen Gründen verhindert. Die heutige Konsequenz: Wir müssen sparen bis zur Handlungsunfähigkeit. Der Allmachtsanspruch der CDU ist auch ein Grund für die desolate Situation unserer Stadt. Die CDU ist für Beverungens Niedergang mitverantwortlich."
Einig sind sich die Fraktionen, die Bereiche Wirtschaft, Tourismus und Bildung trotz Nothaushalts zu fördern. Die Lösungsmodelle sind jedoch auch auf diesen Gebiet kontrovers.